Lebensberichte

Ich suchte einen Schuldigen... Gott   

Christoph K.


Ich wuchs in einem kleinen Dorf auf dem Land auf. Es gab dort weder Kino noch Supermarkt. Lediglich ein winziger Konsum und eine kleine Tankstelle baten die Möglichkeit, Lebensmittel und eine Tageszeitung zu erwerben. Im Dorfzentrum befand sich eine alte Kirche. Die Grundschule, die ich besuchte, besaß lediglich vier Klassenräume in denen dementsprechend vier Klassen unterrichtet werden konnten. Meine Eltern mussten sich nie Vorwürfe machen. Ich genoss eine gute Erziehung in einem intakten Elternhaus.

Obwohl sie nicht christlich oder irgendwie religiös waren, ging ich regelmäßig in die Kirche. Das lag wohl daran, dass meine geliebte Großmutter, die in unserem Zwei- Familien¬ Haus über uns wohnte, tief im Glauben an Jesus Christus war. Sie erzählte oft vom Paradies und vom Himmel. Sie hatte so großen Einfluss auf mich, dass ich der festen Überzeugung war, Pfarrer werden zu wollen. Meine Mutter erzählte mir, dass ich so begeistert von den "goldenen Straßen", von denen meine Großmutter erzählte, war, dass ich mich sogar umbringen wollte, um so schnell wie möglich an diesen wunderbaren Ort zu gelangen. Davon konnte mich meine Mutter glücklicherweise abhalten. Ich hatte Jesus ja noch nicht mein Leben übergeben.

Mit zunehmendem Alter verschwand mein Interesse an Gott und Glaubensdingen jedoch immer mehr. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt, kümmerte mich aber überhaupt nicht um meine Beziehung zu ihm. Aufgrund eines angeborenen Wirbelsäulendefekts war und bin ich kleiner als normale Männer in meinem Alter. Dies war auch der Grund aus dem ich permanent gehänselt und gemobbt wurde. Ich kam oft weinend und sowohl physisch als auch psychisch verletzt nach Hause.

Doch anstatt mich an Gott zu wenden versuchte ich stark zu sein und meine Probleme allein zu bewältigen. Ja, die Möglichkeit mit Gott zu reden zog ich nicht einmal in Betracht. Stattdessen versuchte ich jeden noch so kleinen Halm zu ergreifen, von dem ich dachte er würde mich beliebt machen. Aus diesem Grund fing ich in der 6. Klasse mit dem Rauchen an, was aber nicht lange anhielt, da sich nichts änderte. Die Jahre vergingen und mein Leben ohne Gott auch. Zum Ende der 10. Klasse hatte ich mich so sehr verändert, dass ich gut mit meinem Umfeld zu Recht kam.

Ich hatte das Rauchen mittlerweile wieder angefangen und war inzwischen abhängig. Zu dieser Zeit betrank ich mich zum ersten Mal. Filmriss inklusive. Ich musste mir so allerhand von dieser Nacht erzählen lassen.

Nach der 10. Klasse ging ich weiter und wollte mein Abitur machen. Anfangs lief es gut. Ich war motiviert und bekam gute Noten. Nichts konnte mich von meinem Ziel, das Abitur als erster in meiner Familie in der Tasche zu haben abbringen.

Doch dann kam der Tag an dem sich schlagartig alles ändern sollte. Meine Großmutter kam bei einem Autounfall, der sich vor unserer Haustür ereignete, auf brutale Art ums Leben. Ich konnte es nicht fassen. Ich suchte einen Schuldigen... Gott. Plötzlich war er wieder aktuell, nachdem ich ihn so lange begraben hatte. All meine Verzweiflung, Wut, Trauer, Angst und meinen Hass warf ich auf Gott. "Wenn es dich gibt, warum lässt du so etwas zu?", fragte ich Ihn. Blind vor Trauer und Wut begann ich meine Gefühle in Alkohol und Drogen zu ertränken. Ich wollte nicht mehr fühlen, nicht mehr denken, nicht mehr sein. Ich begann Gott für das was er mir angetan hatte zu hassen. Dieser Hass richtete sich auch gegen Christen und Ihren Glauben, der für mich seinen Sinn verloren hatte.

Ich fing an mich Schwarz zu kleiden, mich düster zu schminken und wurde immer mehr auf die finstere Seite getrieben. Ich bekam eine Vorliebe für Friedhöfe und alles was mit dem Bösen zu tun hatte. Ich wurde der perfekte Antichrist. Schnell fand ich Anschluss an eine Gruppe, die die Welt so sah wie ich. Zusammen nahmen wir Drogen und feierten im Alkoholrausch wilde, zügellose Partys. Endlich bekam ich die Anerkennung, die ich schon immer wollte. Hier wurde ich akzeptiert wie ich war. So weit ich mich erinnere, lernte ich in dieser Zeit meine erste "richtige" Freundin kennen. Sie war genau auf meiner Wellenlänge: Sex, Drogen und Party. Wir betranken uns regelmäßig und nahmen Drogen. Ich begann mein Abitur zu vernachlässigen, indem ich nicht zum Unterricht erschien um mich mit ihr zu treffen. Mein Fehlen wurde immer häufiger. Und es war mir egal. Ich wollte meine Zeit nur noch ihr und meinem düsteren Dasein widmen.

Als sie mich nach 5 Monaten Beziehung verließ, brach in mir alles zusammen. Ich begann meinen Schmerz durch so genanntes Ritzen rauszulassen. Ich schnitt mir Arme und Beine auf und erfreute mich am Anblick meines eigenen Blutes. Ich rutschte noch tiefer in den Drogenmissbrauch und begann härtere Drogen wie z.B. Cocktails (Tabak, Gras, Stein) oder Crack zu rauchen. Ich war fast nur noch betrunken und begann selbst Drogen zu verkaufen. Um an Geld für die Drogen zu kommen, nahm ich einen Nebenjob an. Als sich der Job als nicht mehr lukrativ erwies, verdiente ich mir mit einem illegalen Geschäft, das in einem Verfahren wegen Drogenmissbrauch und Staatsbetrug mit einer Strafe von 40 Sozialstunden und Schulden in Höhe von ca. 1100 Euro, endete, 150 Euro dazu. Von dem Geld kaufte ich Drogen und ließ mir ein Piercing stechen.

Aufgrund meines psychischen Zustands und langer Abwesenheit aufgrund einer psychiatrischen Therapie sanken meine Leistungen in der Schule so dermaßen ab, dass ich mein Abitur gegen Ende des ersten Halbjahres der 13. Klasse beenden musste. Dass ich ein psychisches Wrack war blieb auch bei meiner Musterung kein Geheimnis und so entschied man sich mich vom Wehr- und Zivildienst zu befreien. Da ich von dort an viel Freizeit hatte, konnte ich mich wieder auf „das Wesentliche" konzentrieren. Ich wurde quasi eine männliche Hure. Auf meinen Touren nahm ich alles mit, was nicht bei drei auf den Bäumen war, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ging so 3 Monate.

Dann lernte ich auf einer meiner Touren meine nächste Freundin kennen. Auch sie hatte sich der schwarzen Seite zugetan, war jedoch etwas vernünftiger. Sie stellte mich vor die Wahl: Drogen oder Beziehung. Ich entschied mich für die Beziehung und war nach ca. 2 Monaten drogenfrei. Trotz aller anfänglichen guten Absichten blieb ich nicht treu und fing an mich heimlich mit einer anderen zu treffen. Als es zu heiß wurde trennte ich mich von meiner Freundin. Sie versuchte alles um mich zurückzugewinnen. Was ihr auch gelang. Wir blieben ein paar Monate zusammen und trennten uns dann für ca. 2 Wochen in denen ich mich wieder ordentlich austobte. Nach insgesamt ca. 2 Jahren beendete ich die Beziehung. ch war ein eiskalter Fels geworden, dessen Leben absolut falsch lief. Ich hatte inzwischen mehrere Jobs und Lehrstellen in den Sand gesetzt. Soziale Kontakte bestanden nur noch durch Alkoholexzesse. Ich hatte eine Band, die keinen Erfolg hatte und eine viel zu kleine, viel zu teure Kellerwohnung. Ich war völlig am Ende.
Doch meine Ideale waren immer noch die gleichen: Alles allein hinbekommen und sich von niemandem helfen lassen.

Ich dachte an Suizid und wollte meinem Leben ein Ende machen. Ich lernte meine jetzige Freundin kennen. Wir telefonierten oft. Irgendwann erzählte sie mir, dass sie Christ ist. Ich war geschockt und ging kurzerhand auf Distanz. Damit wollte ich doch nie wieder etwas zu tun haben. Ich spürte, dass unser kennen lernen kein Zufall gewesen sein kann. Ich wollte wissen, was dahintersteckt und ging der Sache auf den Grund. Ich stellte ihr Fragen über ihr Leben und ihre Familie. Von Minute zu Minute wurde mein Vertrauen zu ihr größer und ich erzählte zum ersten Mal vom schrecklichen Unfalltod meiner Großmutter und redete mit ihr, die ich erst seit einer Woche flüchtig kannte, über meine Gefühle- Gott gegenüber, meinen Mitmenschen und mir. Uns verband etwas Unsichtbares. Etwas unheimlich Kraftvolles. Doch damit nicht genug, im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass ihre Großmutter mit meiner Großmutter befreundet war. Ich wurde unruhig und nervös, ich verstand nicht, was da passierte.

Sie bot mir an, mich mit ihr und ihrer Großmutter zu verabreden damit sie meine Fragen bezüglich einer Vision, die ich von meiner Großmutter hatte (von der ich mittlerweile glaube, dass es sich dabei um eine Einbildung handelte) und anderer religiöser Dinge, beantworten konnte. Als ich ihre Großmutter traf, spürte ich eine unglaubliche Ruhe, die von ihr ausging. Ich musste mich zusammenreißen, nicht zu weinen. Dieser Kampf dauerte das gesamte Gespräch an. Als ihre Großmutter mich fragte ob sie beten darf, stimmte ich skeptisch zu. Ihre Worte trafen mich wie Pfeile mitten in's Herz. Ich wollte mir jedoch nichts anmerken lassen. Ich musste über das Gesagte nachdenken. Die Tage vergingen und ich dachte nicht weiter über Gott nach.

Eines Nachts wurde ich von einer Stimme geweckt, die ein deutlich spürbares "Hey" in mein Ohr hauchte. Ich schaute mich um, aber da war niemand. Ich fand mich damit ab, dass ich schlecht geträumt hatte und schlief weiter. Ich dachte nicht weiter darüber nach, doch in der darauf folgenden Nacht, als ich vor dem Fernseher saß, hörte ich ein deutliches, tiefes "Hallo". Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich schlief unruhig, wachte immer wieder auf. Als ich morgens in meinem Bett lag, sah ich wie meine Bettdecke wie von unsichtbarer Hand langsam von mir glitt. Ich kniff die Augen zu und als ich sie wieder aufmachte war es vorbei. Ich hatte Angst. Der Tag verging und ich telefonierte abends mit meiner Freundin. Ich erzählte ihr von den seltsamen Geschehnissen. Als sie mir gerade sagte, ich solle beten unterbrach die Verbindung aus unerklärlichem Grund. Ich rief zurück. Wir wurden unruhig. Irgendetwas stimmte nicht. Als wir uns in einem kurzen Augenblick anschwiegen, passierte es: Eine Stimme flüsterte mir klar verständlich zu: "Wir kommen heut' Nacht."

Jetzt wurde mir die Sache zu heiß. Ich erkannte, was Gott mir schon mein Leben lang mitteilen wollte: "Allein schaffst du es nicht. Du brauchst meine Hilfe. Ich will dich retten. Schon so lange strecke ich meine Hand nach dir aus, doch du wolltest nicht hören. Sieh, wo du jetzt bist., Hier kommst du nicht alleine heraus." Ich spürte, dass ich die dämonischen Kräfte nur durch Gebet bekämpfen konnte. Aber ich war doch so unerfahren. Ich bat meine Freundin am Telefon für mich zu beten. Sie stellte mir eine Frage: "Glaubst du an Gott?" Ich schwieg und hörte auf mein Herz: "Ja!", antwortete ich. Sie begann zu beten, ich ging in Gedanken mit. Das Gebet war kaum zu Ende und ich fühlte eine unerklärliche Ruhe. Ich wusste, Jesus war mit mir im Raum und wartete. Er wartete auf das, wovon ich wusste, dass ich es schon längst hätte tun sollen. Ich bat meine Freundin, aufzulegen da ich jetzt unbedingt etwas tun müsse. Sie verstand genau und willigte beruhigt ein. Ich ging auf die Knie und breitete dem Herrn Jesus all meine Sünden aus. Ich bat ihn um Vergebung und darum, Herr meines Lebens zu werden. Ich sagte ihm, dass ich endlich verstanden hätte. Ich konnte spüren wie mich seine unendliche Gnade und Liebe umhüllte. Ich fing an zu weinen und zu lachen zugleich. Der Herr hatte nicht von mir abgelassen sondern immer wieder versucht, mein kaltes Herz zu durchbrechen. Ständig klopfte er an meine Tür, doch ich wollte nicht öffnen. Bis ich erkannt habe, dass ich ihn brauche und dass nur ein Leben mit Jesus Christus ein erfülltes Leben ist.

AMEN.

Christoph K.

Wir bedanken uns für die Erlaubnis.

Bitte lesen Sie die Bibel - das Wort Gottes!
« .... sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. »

Jesus Christus in Lukas 5

Zitat - Dietrich Bonhoeffer

Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen.

Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen.

Zitat - Corrie ten Boom

Baue keine Treppe von guten Werken,
um den Himmel zu erreichen.

Der Himmel ist weit weg von guten Leuten und nur einen Schritt weg von einem Sünder

Zitat - Matthias Claudius

Es ist nichts groß, was nicht gut ist;
und ist nichts wahr, was nicht bestehet.

 
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