Lebensberichte

Ein New Yorker Rechtsanwalt erzählt

von Philipp Mauro

Ich kannte kein anderes Verlangen, als das eigene „Ich“ zu befriedigen, und alle meine vielen Bemühungen verfolgten nur diesen einen Zweck. Ich schließe hierbei die Rücksicht auf meine Familie nicht aus, die mir zweifellos ein gutes Zeugnis als liebevoller Ehemann und Vater ausgestellt hätte; denn ich rechne es auch unter den Begriff des „Ichs“, dass ich meine Familieninteressen verfolgte.

width="122" Dinge, die mir wertvoll schienen, wie Ehre und Ansehen bei den Menschen, glänzende Erfolge in meinem Beruf und dergleichen nahmen meine Zeit und meine Gedanken vollauf in Anspruch; darüber hinaus besaß ich kein anderes Ziel. Heute sehe ich klar, dass unbewusst das Geld der Gott geworden war, auf den ich vertraute, der meine Zuneigungen besaß, und ich kann die Aussage der Heiligen Schrift: „die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen“ wohl verstehen. Über das Fortleben nach dem Tod, wenn es überhaupt ein solches gäbe, hatte ich viel nachgedacht, legte aber schließlich, der fruchtlosen Grübeleien müde, diese Gedanken beiseite. Ich war ein Rationalist von Grund aus geworden, wollte nur noch meiner Vernunft als Leuchte folgen, wandelte dabei aber wie alle, die sich schmeicheln, dies zu tun, in dichter Finsternis. Weil ich das Zeugnis Gottes verwarf und ihn somit zum Lügner machte (1. Johannes 5, 9-12), befand ich mich aus Mangel an Licht auf dem Weg des Verderbens; in meinen Augen und nach dem Urteil anderer Leute war ich allerdings ein erleuchteter Mann.

Seit meiner Konfirmation im 16. Lebensjahr war ich ein Glied der Kirche. Viele Jahre lang besuchte ich regelmäßig den „Gottesdienst“ und hörte viele Predigten. Dennoch blieb ich gleichgültig und wusste über Gottes Heil so gut wie nichts. In diesem traurigen Zustand befinden sich Millionen ausgezeichneter Leute in unserem „aufgeklärten“ Jahrhundert! Das Evangelium ist für sie verdeckt, weil der Gott dieser Welt (Satan) ihren Sinn verblendet hat, damit ihnen der Lichtkranz des Evangeliums der Herrlichkeit Christi, welcher das Bild Gottes ist, nicht ausstrahle. Aber Welt und irdisches Wohlergehen befriedigen nicht. „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wiederum dürsten“ (Johannes 4,13). Wie wahr ist dieses Wort Jesu Christi!

Meine äußeren Umstände waren denkbar glücklich. Ich war Rechtsanwalt und hatte in diesem Beruf guten Erfolg, sodass auch mein Ehrgeiz befriedigt war. Ich erfreute mich überdies einer ausgezeichneten Gesundheit, und meine häuslichen Verhältnisse ließen nicht zu wünschen übrig. Nichts schien zu fehlen, um mein Glück voll zu machen.

Aber Frieden im Herzen und Ruhe des Gewissens können sogenannte „gute Verhältnisse“ nicht geben. Während ich augenscheinlich allen Grund hatte, mit meinem Los wohl zufrieden zu sein, und obwohl ich in der Lage war, mir die Genüsse zu verschaffen, welche diese Welt bietet, war doch mein seelischer Zustand nicht befriedigend. Es ist schwer, den Zustand einer Seele zu beschreiben, die von einem häufig wiederkehrenden, schwer zu verbannenden Gemütsdruck heimgesucht wird, für den doch scheinbar kein Grund und keine Erklärung vorliegt. Soviel war sicher, dass ich durchaus kein zufriedener Mensch war, width="199" ja, zuweilen zum Verzweifeln unglücklich, und dass ich mich mehr und mehr von düsteren Gedanken, von unerklärlichen Ahnungen einnehmen lies. Gewisse Zerstreuungen und Dinge, die mir früher geistige Befriedigung und Erheiterung gewährt hatten, genügten mir nicht mehr. Meine Genüsse waren hauptsächlich geistiger Art gewesen, und mein Scharfsinn hatte sich lange Zeit angestrengt, den Schleier der unsichtbaren Welt zu heben, um das zu entdecken, was etwa dahinter verborgen liegen könne. Dieses Forschen hatte mich in das Gebiet der Wissenschaft, Philosophie, des Okkultismus, der Theosophie usw. geführt. Das ganze Studium hatte mir aber keine gewisse Klarheit und Ruhe gebracht, es hatte mich, den Wahrheitssuchenden, nur müde und enttäuscht gemacht; ich war und blieb leer und geistig hungrig. Das Leben schien mir ohne Bedeutung, Nutzen und Zweck. Wozu war ich in der Welt? Die Stärke des vielgerühmten menschlichen Geistes schien für die Erklärung der einfachsten Geheimnisse nicht auszureichen. So lag die Zukunft unbeschreiblich finster vor mir.

Doch ein Heilmittel gegen stumme Verzweiflung musste gefunden werden. Darum folgte ich dem Beispiel anderer und suchte wieder Zerstreuung in den verschiedenen Freuden und Festlichkeiten einer gottlosen, vergnügungssüchtigen Welt, worin ich mich so freudeleer und fern von Gott bewegte, wie jeder andere. Einige Wohlmeinende Leute aber, die mir ein warmes Interesse entgegenbrachten, versicherten mir, dass alles, was ich brauche, „Ablenkung“ sei und „Ausspannen“; ich arbeite zuviel usw. Zugleich ging ich ab und zu zur Kirche. Aber auch meine Freunde und Bekannten dort hatten keinen anderen Rat, kein besseres Heilmittel. Niemand sagte mir die einfache Wahrheit: Was Du nötig hast, ist Christus und das Heil deiner Seele!

Ach, wie viele Millionen gehen durch dieses arme Leben und fühlen die Öde des Herzens, aber sie wissen nicht, was ihnen fehlt, und sie haben niemand, der es ihnen sagt!

width="208" Ich habe meinen unglücklichen Zustand ziemlich ausführlich beschrieben, da ich denke, dass unter meinen Lesern manche sind, die ihren eigenen Zustand darin erkennen werden, wenigstens in der Hauptsache. Aber ich rufe diesen aus tiefster Überzeugung und mit voller Gewissheit zu: Es gibt eine Rettung und Erlösung für euch, eine völlige, vollständige Erlösung; und sie ist nicht fern von euch, sondern ganz in eurer Nähe: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, das ist das Wort des Glaubens, welches wir predigen; dass, wenn du mit deinem Mund Jesum als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst“ (Römer 10,8+9).

Bei mir ist durch Gottes Gnade, durch die Bekehrung zu Jesus Christus, der alte Zustand seelischer Not und Unruhe so völlig verschwunden, dass ich nicht mehr imstande wäre mich jetzt auch nur hineinzudenken, wenn ich nicht ungefähr sechs Monate vor meiner Bekehrung eine Aufzeichnung meiner Seelennot gemacht hätte.

An einem unvergesslichen Abend ging ich in meiner bekannten unglücklichen Gemütsverfassung durch die Straßen von New York, mit dem Vorsatz, Zerstreuung im Theater width="169"zu suchen. Diese Absicht führte mich bis in Vorhalle des Theaters, wo ich mich der langen Reihe der Eintrittskartenkäufer anschloss. Aber eine unsichtbare Hand ergriff mich gleichsam und führte mich aus dem Theater heraus. Im nächsten Augenblick drang ein nur schwacher Gesang an mein Ohr, inmitten des Straßenlärms der 8. Allee, nahe der 44. Straße. Ich kann nicht sagen, weshalb ich durch diese Töne angezogen wurde, und warum ich ihnen nachging. Dennoch ging ich den Weg bis zu jenem Gebäude, woher der Gesang kam. Es war einfach und unansehnlich, und trug die Aufschrift: „Evangeliumshalle“. Ich trat ein und sah nun, dass ich mich in einer Gebetsversammlung befand. Ich nahm Platz und blieb während der ganzen Versammlung. Die Gebete berührten mich nicht sonderlich, und ich war in der Tat nicht in Übereinstimmung mit den Worten der Beter. Was jedoch Eindruck auf mich machte, war der Umstand, dass, als ich nach der Versammlung der Tür zuschritt, mehrere Personen mich mit einem freundlichen Wort begrüßten und mir die Hand schüttelten. Einer fragte mich sogar nach meinem Seelenheil. Ich entfernte mich jedoch, ohne dass mir schon die Ursache meines unglücklichen Zustandes klar geworden wäre; ich erkannte noch nicht, dass ich ein unversöhnter Sünder war, der IHN nicht kannte. Der für mich gestorben war, um auch mich mit Gott zu versöhnen durch Sein Blut.

Warum es mich trieb, jenen Ort wieder aufzusuchen, der doch meinem natürlichen Empfinden und den bisherigen Gewohnheiten so fremd war, dafür finde ich keine bloß menschliche Erklärung. Die Leute dort entsprachen absolut nicht Bildung und gesellschaftlichen Stellung, und auch mit dem, was sie sagten, war ich gar nicht zufrieden. Aber es zog mich mächtig zu ihnen hin.

Wie zeigt dies doch, dass Gottes Wege nicht unsere Wege sind, dass Menschenweisheit Torheit bei Gott ist. Ich hätte gewiss geglaubt, um mich, den alten Rationalisten, von der Wahrheit der Bibel und des Christentums zu überzeugen, würde doch mindestens ein gelehrter, tiefdenkender Theologe, der in Widerlegung philosophischer Zweifel geübt war, nötig sein. Aber Gott in Seiner Wahrheit sandte mich, um die WAHRHEIT und den Weg des Heils und ewigen Lebens kennenzulernen, zu einer Gemeinschaft ganz einfacher bescheidener Leute mit wenig Bildung, über die ich mich in wissenschaftlicher Beziehung unvergleichlich erhaben glaubte. In der Tat wussten diese Leute sehr wenig oder nichts von dem, was in hohen Schulen und auf Universitäten gelehrt wird, aber sie besaßen jene Weisheit, für die einer der größten Männer aller Zeiten willig alle irdischen Vorteile hingab und sie für „Verlust achtete“, indem er ausrief: „Ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn“ (Paulus im Brief an die Philipper 3,8).

So war also meine Meinung über mein eigenes Wissen ganz verkehrt; und die Wahrheit war, dass ich im Vergleich mit einem der Geringsten von denen, die Christus als ihren Heiland kannten und Ihn als Herrn bekannten, nichts wußte.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diese Versammlungen besuchte, ehe ich dem Wirken des Heiligen Geistes nachgab; und ich kann auch nicht sagen, dass ich zuerst einen besonderen Segen in jenen Versammlungen gefunden hätte. Aber ein gewisses Etwas führte mich immer wieder hin. Der Wendepunkt in meinem Leben war erst am Abend des 24. Mai 1903, als ich, einem inneren Drang und tiefem Verlangen nach Frieden folgend, dass allmählich mein natürliches Sträuben und Widerstreben überwand, mit niederkniete zum Gebet und laut kindlich zu Gott um Gnade flehte. Ich nahm den Platz des Sünders vor Ihm ein und nahm zu Seiner Gnade meine Zuflucht. Ein Christ (der, welcher mich zuerst nach dem Heil meiner Seele gefragt hatte) kniete neben mir nieder und flehte zum Herrn Jesus, mich Sein freies, volles Heil erkennen zu lassen.

Öffentlich niederknien und den Namen des Herrn Jesus laut anzurufen, ist nicht unbedingt nötig, um bekehrt zu werden und Frieden mit Gott zu finden. Der Empfang der Gabe des ewigen Lebens ist an keinen bestimmten Ort oder eine bestimmte Art gebunden. Aber es ist nötig, Gott zu glauben, nicht nur an Ihn zu glauben, sowohl bezüglich der Tatsache, dass man ein SÜNDER ist und NICHTS zu seiner Rettung beitragen kann, als auch, dass Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, die Sünden von allen wegnimmt, die sich gebeugten, aber vertrauenden Herzens zu Ihm wenden. „Unsere Übertretungen wegen ist Er dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden“ (Römer 4,25). Wie klar und herrlich ist dieses Zeugnis aus Gottes Wort!

An jenem Abend fand ich denn auch Frieden, vermachte aber die Umwandlung, die in mir stattgefunden hatte, nicht zu beurteilen, weil ich nicht an plötzliche Bekehrungen glaubte. Ich hatte gedacht, eine Sinnesänderung, wenn es eine solche gebe, müsse ganz allmählich, wie eine Art Entwicklung, vor sich gehen. Aber meine Unwissenheit bezüglich des Hergangs in meiner Seelestand der wirksamen Kraft Gottes nicht im Wege; Gott handelte in Gnade und erweckte mich zu einem neuem Leben. Ich hatte den Namen des Herrn und Heilandes in dem tiefsten Gefühl meiner Sündenschuld und meines Elends angerufen, und das war genug gewesen. Durch den Glauben an Jesus Christus hatte ich Frieden mit Gott gefunden.

Im Lauf der Jahre lernte ich die große Veränderung, die Gott in jener Nacht in mir gewirkt hatte, in ihrer Bedeutung besser verstehen, aber erst in der Ewigkeit werde ich sie voll und ganz begreifen. Es war in der Tat für meine Seele „Leben aus dem Tode“, das Gott mir gegeben hatte. Geistige Dinge dagegen, die mich früher angezogen hatten, fingen an, ihren Reiz für mich zu verlieren. Ich machte bald die glückliche Erfahrung des Wortes: „Ist jemand in Christus, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von Gott“ (2. Korinther 5,17-18).

width="324" In kurzer Zeit machte ich in meiner äußeren Lebensweise, wie in dem, was hinfort mein Herz und meinen Geist beschäftigte, einen großen Wandel durch. So wurde es mir zum Beispiel zum Bedürfnis, täglich regelmäßig die Bibel zu lesen und Gott im Morgen- und Abendgebet zu nahen mit Flehen und Danksagung. Früher, da mich die Schwermut überkam und ich zumeist in gedrückter Stimmung war, hatte ich oft versucht, zu beten. Viele Male, öffentlich und im Geheimen, d.h. in der Kirche und im Kämmerlein, hatte ich „meine Gebete verrichtet“; aber es war kein Beten zu Gott, denn mein Herz stand nicht im Glauben. Ich glaubte dem Worte Gottes nicht, sondern kritisierte und verwarf es. Ich glaubte nicht, dass der Herr Jesus, der Erlöser und Heiland, von einer Jungfrau geboren wurde, glaubte nicht an Seinen Opfertod, noch an Seine siegreiche Auferstehung und Himmelfahrt. Was Gottes Wort ferner sagt, dass Jesus Christus Sein Blut für Sünder vergossen habe, und dass Er am Kreuz für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm (2. Korinther 5,21), betrachtete ich als unvernünftig und des Glaubens nicht wert. Der einzige Gott, den ich kannte, war der Gott des Materialismus, also ein Geschöpf der eitlen Phantasie des Menschen. Ich wusste nichts von dem „wahren und lebendigen Gott“ , „dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“.

Aber wie wunderbar! – Als ich mir bewusst wurde, dass Jesus mein Heiland geworden war, sah ich, dass alle meine Zweifel und Fragen, mein Unglauben und kritisieren in Bezug auf Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, mit einem Mal wie Nebel vor der Sonne verschwunden waren. So war es auch zu meiner Verwunderung mit meinem Zweifel an der völligen Inspiration (Eingebung), Genauigkeit und Autorität der Heiligen Schrift; sie war jetzt für mich das ewige, unvergängliche Wort Gottes. So war es ferner bezüglich meines Glaubens an der Vollgültigkeit des Opfers Christi, um die Frage der Sünde zu ordnen und einen Grund zu schaffen, auf dem Gott in vollkommener Gerechtigkeit dem Sünder vergeben und ihn rechtfertigen kann; so war es weiter bezüglich meines Glaubens an die vollkommene Errettung und Annahme in Christus. Kurz, alle Zweifel an Gott und Seinem Wort waren verschwunden von der Stunde an, da Jesus Christus mein Erlöser geworden war.

width="264" Diese Erfahrung, die ich gemacht habe: von allen meinen Zweifeln und Plagen des Geistes befreit zu sein, ist herrlich und muß jedem, der darüber nachdenkt, wunderbar erscheinen. Jeder wird denken, wie ich selbst einst dachte, dass Zweifel, Schwierigkeiten, Fragen in Bezug auf göttliche und ewige Dinge nur dadurch behoben werden können, dass man sie einzeln nacheinander widerlegt und zur vollen Zufriedenheit des Zweiflers beantwortet. Aber meinen Zweifeln und Schwierigkeiten wurde nicht in solcher Weise begegnet, und es ist sicher noch bei niemand geschehen. Die Zweifel verschwinden einfach von selbst, sobald das Herz an den Gekreuzigten glaubt und Ihn als den Christus Gottes und als seinen Heiland, den es so nötig hat, wirklich annimmt.

Der Sitz des Unglaubens ist als nicht der Kopf, sondern das Gewissen und das Herz. Darum sagt die Heilige Schrift: „Wenn du in deinem Herzen glaubst“ Der Wille des Menschen ist verkehrt; und die Zweifel und Schwierigkeiten ohne Zahl, die in der Seele aufsteigen wie ein trotziges Heer, sind nur Bedenken und Vorwände, die von dem Feind der Seelen herrühren, hinter denen das ungläubige, trotzige Herz sich vor Gott zu verstecken sucht, um seinen Unglauben zu rechtfertigen.

Darum sagt Christus, Der wusste, was im Menschen war: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, auf dass ihr Leben habt (Johannes 5,40). Der ungebrochene und stolze Wille hindert den Menschen, zu dem Brunnen des ewigen Lebens zu kommen und jene unaussprechliche Gabe Gottes zu empfangen. Deshalb steht auch geschrieben: „Mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit“ (Römer 10,10). Der natürliche Verstand und Geist ist eine Brutstätte der Zweifel und Schwierigkeiten geworden; und da der Mensch in seiner Eitelkeit seine eigenen Gedanken für sehr wichtig hält, glaubt er, dass diese alle einzeln der Reihe nach erledigt werden müssten. Der natürliche Mensch weiß nichts von der „Erneuerung des Sinnes“ (Römer 12,2); und „er nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1. Korinther 2,14). Aber sobald das Herz, dieser Mittelpunkt des menschlichen Seins, jene innerste Kammer, zu der Gott allein Zutritt hat, überführt und gewonnen ist, ist auch der ganze Mensch gewonnen und wie umgewandelt. Sein Sinn ist erneuert und von der verderblichen Seuche der zahllosen Zweifel und der Auflehnung wider Gott geheilt.

Was mich also zurückgehalten hatte, das Heil in Christo anzunehmen, war nicht das Heer der Zweifel, von denen mein Kopf voll war, sondern mein HERZ. In der Meinung, dass die Schwierigkeit dort liege, täuschte ich mich sehr; so täuschen sich alle, in denen „der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit Christi, welcher das Bild Gottes ist“ (2. Korinther 4,4). Gott betrachtete aber in Seiner Gnade und Weisheit die Überlegungen meines armseligen kleinen Geistes nicht, wenn sie mir auch noch so großartig und der eingehenden Widerlegung wert schienen. Er handelte mit mir nach Seinem unumschränkten Willen, beugte mein HERZ und entfernte so die Zweifel in einem Augenblick. Für Ihn, Der „die Inseln emporhebt wie nichts“, war dies keine Schwierigkeit.

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Die wunderbare Veränderung, wie ein Sünder, der tot in Übertretungen ist, in und mit Christus lebendig gemacht wird (Epheser 2,5), geschieht demnach nicht durch Widerlegung der Zweifel oder durch eine Art von Entwicklung. Es ist vielmehr Gottes unmittelbares, mächtiges Werk; es ist „die Macht Seiner Stärke, in welcher Er in Christus wirkte, indem Er Ihn aus den Toten auferweckte und Ihn zu Seiner Rechten in den himmlischen Örtern erhöhte“. Und dieses Werk geschieht alsbald, wenn das müde Herz an den Herrn Jesus glaubt.

Diese meine Erfahrung kann nur durch die Bibel erklärt werden; und sie ist darum wieder ein Beweis des göttlichen Ursprungs dieses Buches. Der heilige Geist, Der vom Himmel herniedergekommen ist, wirkt jetzt solches Werk in den Herzen der Menschenkinder. Er zeugt durch das Wort von einem auferstandenen und verherrlichten Christus, der zur Rechten Gottes thront, und Er überführt von Sünde, von Gerechtigkeit und von Gericht.

Der Glauben an das Zeugnis Gottes über Seinen Sohn (1. Johannes 5,9) hatte noch eine andere gesegnete Wirkung. Ich wurde nämlich vollständig von dem zeitweisen ernsten Gemütsdruck befreit, der in den letzten Jahren in einen Zustand dauernder Schwermut, eine Art Nervenzerrüttung, übergegangen war. Wie viele Menschen leiden jetzt, in dieser Zeit der hast und des Hochbetriebes an diesem Übel; und die eigentliche Ursache kennen sie nicht. Der Sinn, der auf das Irdische und Vergängliche gerichtet ist, kann wahrlich keinen Frieden kennen. Woher sollte der Friede auch kommen, da das Herz nie den Friedefürsten erkannt hat! Aber der Sinn und Geist, der in dem unwandelbaren Gott ruht, besitzt vollkommenen Frieden. Die völlige Befreiung von meinem Gemütsdruck war nicht alsbald gekommen, doch der Umschlag, die Wendung war eine sofortige; und als ich lernte, mein Herz und meinen Sinn ganz in Gott ruhen zu lassen, dessen Liebe und Heil in Christo ich ja jetzt kannte und genoss, da wurden dauernder Friede und wahre Ruhe mein glückseliges Teil.

Kurz, ich lernte, dass die Errettung der Seele, das Heil in Christus Jesus, allen Folgen der Sünde heilsam begegnet; sowohl denen der Seele, als auch des Leibes und Geistes. Die Errettung erstreckt sich auf den ganzen Menschen: „Geist, Seele und Leib“ (1. Thessalonicher 5,23).

Zwei Monate nach meiner Bekehrung, welche ich leider aus Schüchternheit und Menschenfurcht möglichst geheim hielt, leitete Gott die Umstände so, dass ich gleichsam dazu gezwungen wurde, mit einem meiner lieben Angehörigen, der offenbar an demselben Übel – Gemütsdruck – litt, das mich früher beschwerte, freimütig zu reden und so zum erstenmal jemand das Heil in Christus zu verkündigen. Ich kann nicht beschreiben, was es mich kostete, meinem Verwandten die einfachen Worte zu sagen: „Was dir fehlt, ist Jesus Christus, Ihn hast du nötig.“ Ich konnte kein Wort mehr sagen, und eine lange peinliche Pause entstand. Aber der Heilige Geist benutzte dieses schwache, unbeholfene Zeugnis, in Verbindung mit einigen Stellen aus Gottes Wort, eine Seele vom geistlichen Tod zum göttlichen Leben zu führen. Nicht lange dauerte es, und zwei weitere Glieder unserer Familie nahmen, ohne mein Dazutun, das Heil in Christus an und wurden aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht versetzt.

width="264"Wie gesegnet war für uns alle die große und wunderbare Entdeckung, dass es eine persönliche Heilsgewissheit gibt in Verbindung mit unmittelbaren und untrüglichen Segnungen, die der Glaubende als Erstlingsfrucht seines ewigen Erbteils empfängt. Bisher waren wir gelehrt worden, wenn man nur „ein gutes christliches Leben“ führe, was viele betrogene Seelen zu tun  versuchen, noch ehe sie durch die Bekehrung zu Christus ein neues Leben in ihren Seelen empfangen haben, so könne man am Ende vielleicht Gottes Heil erlangen und selig werden; aber niemand könne seiner Errettung und Seligkeit gewiß sein vor dem „jüngsten Gericht“.

Wie ganz anders belehrt uns Gott! Wie kostbar wurden uns die teuren Worte des Herrn Jesus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen“ (Johannes 5,24). Und Gottes Güte gegen uns begnügte sich nicht damit, uns die Wahrheit der Annahme in Christus und folglich unsere ewige Sicherheit zu offenbaren. Er zeigte uns, dass die Seinen die Pflicht und das Vorrecht haben, jetzt schon den Platz der Schmach mit Christus zu teilen, mit ihm, Den die Welt verworfen hat und Den „die Fürsten dieses Zeitlaufs gekreuzigt haben“ (1. Korinther 2,8).

Wir erkannten, dass Christus Sich für unsere Sünden hingegeben hat mit der bestimmten Absicht, „uns aus der gegenwärtigen bösen Welt herauszunehmen“ (Galater 1,4). Wir verstanden, dass Gott will, dass die aus dieser Welt Erretteten zu Jesus hinausgehen, außerhalb des Lagers, Seine Schmach tragend (Hebräer 13,13).

Das Lager ist, wenigstens oberflächlich betrachtet, ein anziehender Platz, voller Freude und Lust, mit allem Erdenklichen ausgeschmückt, um das Auge zu entzücken und den Geist und das Fleisch, auch in religiöser Hinsicht, zu befriedigen, d.h. soweit es zum guten Ton gehört; ja, das Lager kehrt die glänzende Seite nach außen. Die Erbärmlichkeit und die Leiden der Welt, das Elend und die Not des Herzens, und der Seele werden in den Hintergrund gedrängt. Die Fürsten dieses Zeitlaufs haben den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt, und die Menschen wiegen sich in dem Traum, dass die Welt durch Bildung, Kultur und „Religion“ von Tag zu Tag besser werden. – Wollen die Christen das glauben und bei der vermeintlichen Weltverbesserung helfen, so sind sie gut angesehen. Aber von Christus Selbst will die Welt heute so wenig wissen wie damals, als sie Ihn verwarf und kreuzigte.

Unser Erlöser und Herr ließ uns weiter erfahren, dass die Trennung von dem treiben und den Vergnügungen der Welt und ihrer gottlosen Lust, welche wie „das Geknister der Dornen unter dem Topfe“, d.h. wie Feuer, sind, uns in der Tat nur unaussprechlichen Gewinn brachte; desgleichen die Absonderung von dem religiösen Lager. – Die himmlischen Segnungen unserer Stellung in Christus, in Dem wir „vollendet“ sind (Kolosser 2,10), und „vor dessen Angesicht Fülle von Freuden ist, Lieblichkeiten in seiner Rechten immerdar“, wurden uns dadurch nur klarer und kostbarer. Der Heilige Geist und Gottes Wort gaben uns umso mehr das Ewige und Wahrhaftige zu genießen. So brachte uns der schmale Weg reichen Gewinn und Segen. Ach, wie arm und eitel waren gegenüber unserer jetzigen bleibenden Freude im Herrn die Genüsse und Freuden, an die wir ehedem Zeit und Geld verschwendet haben!

Menschlich gesprochen scheint es allerdings unmöglich, unseren alten Freunden und Bekannten begreiflich zu machen, dass wir jetzt unendlich weit glücklicher sind als vordem. Das Wort Gottes sagt von denen, die noch ohne Christus sind, „dass der Sinn ihres Herzens verblendet“ sei. So können sie nur die wertlosen Dinge, die wir beiseite geworfen haben, betrachten; und für die Reichtümer der Gnade und der Herrlichkeit, die wir als Gläubige in Christus besitzen, fehlt ihnen das Auge. Wenn ein Bettler von irgendeinem Fürsten ein schönes Gewand und Heim erhält und dann voller Freude die alte Hütte verlässt und die Lumpen, die er bisher getragen hat, wegwirft, weil er ja etwas weit Herrlicheres erlangt hat, als das Alte war, so werden andere Bettler, die ihm zuschauen, wie er die alte Hütte verlässt und die Lumpen fortwirft, entsetzt davoneilen, werden sich ängstlich in ihre Lumpen hüllen und in ihre Löcher verkriechen, aus Furcht, dass auch sie das ALTE aufgeben sollten für ein NEUES, dessen Wert und Glück sie nicht kennen.

Gott aber, der uns Seinen Frieden gab und uns zuruft: „Freut euch in dem Herrn allezeit“! hat uns auch fähig gemacht, über „den bösen gegenwärtigen Zeitlauf“ hinüberzusehen auf das bald kommende Reich unseres Herrn Jesus Christus. Er wird auf die Erde zurückkehren und alle Seine Erlösten mit sich bringen, wie schon Henoch geweissagt hat (Judas 1,14; siehe auch Offenbarung 19,11-16). Dann sind „die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge gekommen, von welchen Gott durch den Mund Seiner heiligen Propheten von j e h e r geredet hat“ (Apostelgeschichte 3,21).

Aber ehe noch das glückselige Reich Jesu auf Erden beginnen wird, dürfen wir unseren Herrn und Heiland Selbst erwarten. Er hat gesagt: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seit“ (Johannes 14,3). Und unserer Zeit gilt sein Verheißungswort in besonderem Sinn: „Ich komme bald“ (Offenbarung 3,11).

Dabei ist es unser tägliches Flehen, dass noch viele um uns her, vor allem unsere teuren Verwandten, Freunde und Bekannten alle das große und volle Heil und das ewige Leben in Christus, dem Sohne Gottes, erkennen und es durch den Glauben an Sein Sühnopfer und an Seine Auferstehung ergreifen. Welch eine Freude wäre das für Gott und für sie selbst. Freude im Himmel und auf Erden! „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Johannes 3,36).

Entnommen aus einer vergriffenen Schrift; Philipp Mauro (1859-1952)

Bitte lesen Sie die Bibel - das Wort Gottes!
« .... sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. »

Jesus Christus in Lukas 5

Zitat - Dietrich Bonhoeffer

Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen.

Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen.

Zitat - Corrie ten Boom

Baue keine Treppe von guten Werken,
um den Himmel zu erreichen.

Der Himmel ist weit weg von guten Leuten und nur einen Schritt weg von einem Sünder

Zitat - Matthias Claudius

Es ist nichts groß, was nicht gut ist;
und ist nichts wahr, was nicht bestehet.

 
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