Lebensberichte

Vom Einbrecher zum Diamantenhüter

Der Einbrecher Valentin Burke war kein Anfänger. Sein Foto zierte den Schlupfwinkel vieler Banditen, die ihn fast wie einen Helden verehrten. Immer bereit, den Revolver zu ziehen, hatte er sich eine außergewöhnliche Kühnheit und Kaltblütigkeit erworben. Burke war ein starker Mann, mit harten Gesichtszügen. Er hatte 20 Jahre im Gefängnis verbracht, und seine Sprache war mit Flüchen gespickt, die sich meistens an die Gefängniswärter richteten. In dieses gottferne Leben drang eines Tages der Heilige Geist ein und wandelte es um. Lassen wir den Evangelisten Dwight L. Moody erzählen, wie das zuging.

Ich war noch sehr jung, als ich in St. Louis das Evangelium predigte. Eine große Tageszeitung kündigte an, sie würde meine Predigt und mein Gebet ausführlich wiedergeben. Zuerst packte mich die Angst, dann dachte ich aber an die Macht der Heiligen Schrift. In das zur Veröffentlichung bestimmte Manuskript flocht ich zahlreiche Bibelverse ein und sagte mir: sollte meine eigene Beredsamkeit versagen, so wird Gottes Wort auf jeden Fall Frucht tragen. Die Zeitung versuchte die Aufmerksamkeit des Publikums durch große Schlagzeilen auf den Artikel zu lenken, doch der Erfolg blieb aus.

Valentin Burke befand sich wieder einmal im Gefängnis und wartete auf den Urteilsspruch. Die Einsamkeit bedrückte ihn, und er verbrachte seine Zeit damit, die Gefängniswärter mit Spott und Beleidigungen zu reizen. Am zweiten Tag meines Aufenthaltes in St. Louis warf jemand die Morgenzeitung in die Zelle des Gefangenen. Burkes Augen fielen auf den Titel "Wie Gott den Kerkermeister von Philippi anhielt". Das war etwas für ihn! Hämisch lächelnd begann er den Sensationsbericht zu lesen. Bald aber wurde er ernüchtert. Er hatte etwas anderes erwartet; nun hielt er meine Predigt vom Tag vorher in den Händen.
- "Welcher Blödsinn!" rief er aus. PAULUS UND SILAS ... EIN GROSSER UMSTURZ! ... WAS MUSS ICH TUN, UM ERRETTET ZU WERDEN? - "Seit wann veröffentlichen die Zeitungen solches Gewäsch?" murmelte er vor sich hin. Er schaute sich das Datum an. Ja, es war die Morgenausgabe, die noch nach Druckerschwärze roch. Er schmiss sie mit einem Fluch in eine Ecke und begann die Zelle abzuschreiten wie ein Löwe den Käfig. Dann nahm er das Blatt wieder auf und las weiter. Immer erregter überflog er die Zeilen, und etwas – er hätte nicht sagen können was – berührte sein Herz. – "Was hat das zu bedeuten? Seit mehr als 20 Jahren bin ich ein Dieb und mit dem Gefängnis vertraut; aber ich fühlte mich noch nie so elend wie heute. Ich habe tatsächlich ein Hundeleben geführt. Aber das muss anders werden. Was bedeutet gerettet sein? Existiert Gott, von dem dieser Mann spricht, so will ich ihn finden, auch wenn ich mein Leben dabei lassen sollte."

Stundenlang grübelte er und machte sich bittere Selbstvorwürfe über sein verpfuschtes Leben. Er schrie zu Gott – das waren die ersten Gebete, seitdem er das Vaterhaus verlassen hatte. Gegen Mitternacht begriff Burke, dass Gott tatsächlich existierte, und dass er ihm seine größten Verbrechen verzeihen konnte und wollte. Er entdeckte das herrliche Geheimnis des Kreuzes, auf dem Christus seine vielen Sünden getragen und für immer vergeben hatte. In jener Nacht rettete Jesus den Einbrecher. Er glaubte an die Worte seines Herrn und empfing ewiges Leben. Lachend und weinend zugleich erwartete er den Tagesanbruch. Er war ein neuer Mensch geworden. Der Wärter, der als erster erschien, erhielt ein freundliches Wort von ihm. Erstaunt schaute er ihn an. Als der Landrichter an ihm vorbei ging, grüßte ihn Burke liebenswürdig und erzählte ihm, dass er beim Lesen meiner Predigt Jesus Christus gefunden habe.
- "Jim", sagte der Richter zum Wärter, "lassen sie Burke nicht aus den Augen, er spielt sich als Engel auf, um bei der erstbesten Gelegenheit zu entweichen."

Bald darauf kam sein Fall zur Verhandlung. Man konnte seine Schuld nicht beweisen, und er wurde freigesprochen. Allein, ohne Freunde in der großen Stadt, mit einem schlechten Ruf belastet, lebte Burke monatelang in Elend und Schande. Stellte er sich irgendwo vor, um Arbeit zu erhalten, so schaute man ihn verächtlich an und schickte ihn fort. Doch sein Mut wurde nicht gebrochen und, durch Gottes Kraft belebt, harrte er aus. Sein von der Sünde gezeichnetes Gesicht zeugte gegen ihn. Da bat er den Herrn, auch sein Äußeres zu verändern, damit er endlich Arbeit finden und sein Leben ehrlich verdienen könnte. Er wurde erhört.

Ein Jahr später begegnete ich Burke in Chicago. Er war eine der rechtschaffensten Personen, die ich je gekannt habe. Als Antwort auf den aufrichtigen Glauben seines Kindes hatte Gott die Veränderung bewirkt.

Doch der Mann hatte immer noch keine feste Anstellung. Er begab sich nach New York in der Hoffnung, fern von den Leuten, die seine Vergangenheit kannten, Frieden und einen guten Arbeitsplatz zu finden. Alles war vergeblich. So kehrte er etwas entmutigt, aber im festen Vertrauen auf Gott nach St. Louis zurück.

Eines Tages erhielt er eine kurze Botschaft des Richters, der ihn einlud, vor Gericht zu erscheinen. Mit schwerem Herzen und voller Befürchtungen leistete er der Aufforderung Folge.
- "Sicher haben sie eine alte Geschichte ausgegraben ... Bin ich schuldig, so werde ich gestehen; jetzt kann ich nicht mehr lügen."
Der Richter empfing ihn freundlich.
- "Wohin sind Sie gegangen, Burke?"
- "Nach New York."
- "In welcher Absicht?"
- "Ich habe versucht, Arbeit zu finden."
- "Glauben Se immer noch an Jesus Christus?"
- "Ja", antwortete Burke und schaute ihm fest in die Augen. "Ich bin durch schwere Stunden gegangen, aber ich habe den Glauben nicht verloren."
- "Burke, ich habe Sie in New York täglich beschatten lassen. Ich hegte den Verdacht, Ihre Religion sei ein Vorwand. Nun weiß ich, dass Sie als echter Christ leben. Darum biete ich Ihnen eine Stelle als Mitarbeiter an. Sie können sie sofort antreten."

Burke kam seiner Pflicht gewissenhaft nach. Die geachtetsten Männer zweifelten nicht an seiner Rechtschaffenheit. Ich begegnete ihm mehrmals. Eines Tages traf ich ihn in einem kleinen Raum des Gerichts, wo er Diamanten bewachte. Als treuer Wächter hielt er einen Sack mit Edelsteinen im Wert von Fr. 260.000,- auf den Knien; ein Revolver lag auf dem Tisch.
- "Herr Moody", rief er aus, "sehen Sie, was Gottes Gnade aus einem Einbrecher machen kann? Der Richter hat mir befohlen, diese Diamanten zu hüten!" Er deutete auf die kostbaren Steine und brach in Tränen aus.

Kurze Zeit darauf organisierten die Christen von St. Louis eine Evangelisation. Im letzten Augenblick war der eingeladene Prediger am Kommen verhindert. Welche Enttäuschung! Da schlug jemand vor, Valentin Burke das Wort zu geben. Abend für Abend predigte er nun das Evangelium. Mehrere Männer und Frauen wurden durch die wunderbare Gnade Gottes aus einem Leben der Sünde und des Verbrechens befreit. Burkes Zeugnis in der Stadt, in der er so viele Verbrechen verübt hatte, wurde reich gesegnet und diente zur Ehre Gottes.

Glaubst Du nicht, dass Gottes Wort auch heute noch solche Wunder tun kann und sich Werkzeuge unter denen erwählt, die fern von ihm leben?

Dwight L. Moody

(Geschehen in St. Louis, USA um 1880)

Entnommen aus „Junge Menschen fragen“, Verlag: Das Haus der Bibel, 1972
« .... sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. »

Jesus Christus in Lukas 5

Zitat - Dietrich Bonhoeffer

Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen.

Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen.

Zitat - Corrie ten Boom

Baue keine Treppe von guten Werken,
um den Himmel zu erreichen.

Der Himmel ist weit weg von guten Leuten und nur einen Schritt weg von einem Sünder

Zitat - Matthias Claudius

Es ist nichts groß, was nicht gut ist;
und ist nichts wahr, was nicht bestehet.

 
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